OTA Jonas Röske: „Der Blaulichtregen über Magdeburg – das war total schockierend.“
Shownotes
Kein Medizinstudium, aber trotzdem mittendrin im OP: Menschen wie Jonas Röske sorgen dafür, dass hinter den OP-Türen alles rund läuft. Der 28-jährige Operationstechnische Assistent (OTA) kennt jeden Handgriff, schon bevor der erste Schnitt gesetzt wird (und stößt sich während Eingriffen dennoch regelmäßig den Kopf an der OP-Lampe). In Folge 15 erzählt er, was es bedeutet, im Operationssaal zu stehen, wenn draußen die Welt aus den Fugen gerät. Denn unmittelbar nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 wurden die Verletzten in seine Klinik eingeliefert….
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00:00:00: Der erste Anruf ging natürlich an meine Freundin.
00:00:04: Geht's dir gut?
00:00:05: Ja, mir geht es gut!
00:00:05: Okay... Danach hatte ich auch gar keine Zeit mehr irgendwie auf mein Handy zu schauen aber die Gedanken natürlich so viele Freunde wie hier in der Umgebung habe das die könnten betroffen sein und dass sich vielleicht jemanden treffe gleich hier auf dem OP-Tisch den ich persönlich gut kenne.
00:00:21: Die Gedanken hatte ich natürlich die ganze zeit.
00:00:28: Hallo und herzlich willkommen zu Folge fünfzehn der stationären Aufnahme dem Podcast von Doktari.
00:00:35: Mein Name ist Nils Zeitzinger und ich freue mich, dass du mit dabei bist bei unserem nächsten Deep Dive.
00:00:40: Denn auch heute tauchen wir wieder ein in das Universum Krankenhaus – wo viele spannende Menschen in vielen spannenden Jobs arbeiten!
00:00:49: In der stationären Aufnahme bitten wir Doktari-Fachkräfte aus den verschiedensten Bereichen und Fachrichtungen uns mitzunehmen in ihren Arbeitsalltag.
00:00:57: Und heute lassen wir uns in den OP-Saal entführen.
00:01:01: Was passiert eigentlich genau hinter den Türen eines Operationssaals?
00:01:05: Und wer sorgt dafür, dass dort alles glatt läuft.
00:01:08: Wenn wir an Operationen denken, denken wir vor allem an Chirurginnen und Chirurgen!
00:01:12: Aber nach dieser Folge der stationären Aufnahme werden wir beim Stichwort OP zukünftig auch an operationstechnische Assistenten denken.
00:01:21: Denn unser heutiger Gast Jonas Röske ist operationstechnischer Assistent und kennt die Abläufe im OP in-und auswendig, sei es in der Unfallchirurgie, der Neurochirurgie oder der Kinderchirugie.
00:01:34: Mit nur von zwanzig Jahren hat Jonas den mutigen Schritt gewagt und seine Festanstellung gegen die Zeitarbeit bei Doktari eingetauscht.
00:01:41: Seitdem ist er an verschiedenen Kliniken vor allem in längeren Einsätzen am Start.
00:01:46: Ich spreche mit ihm unter anderem über das Treiben hinter den OP-Türen, über die Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten und die Frage – was muss passieren damit sich wieder mehr junge Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden?
00:01:59: Wenn ihr die Inhalte spannend findet dann abonniert die stationäre Aufnahme gerne bei Spotify, Apple Podcasts oder überall sonst wo es Podcasts gibt!
00:02:08: Und jetzt rein in das Gespräch mit Jonas.
00:02:12: Jonas Röske, bitte ins Sprechzimmer.
00:02:14: Podcast-Aufnahme.
00:02:17: Ahoy, Jonas!
00:02:18: Schön dass du bei uns bist.
00:02:19: Herzlich willkommen in der stationären Aufnahme.
00:02:22: Moin ich freue mich das ich hier sein darf, fein jetzt.
00:02:25: Hi Jonas richtig cool dass du dabei bist und Jonas lass uns mal so anfangen.
00:02:29: vielleicht kannst du dich unseren Hörerinnen und Hörern kurz vorstellen.
00:02:32: wer bist Du?
00:02:33: wo kommst du her?
00:02:34: Und was machst du genau?
00:02:36: Ja ich bin Jonas gerade achtundzwanzig Jahre alt geworden komme ursprünglich aus einer Ich nenn's mal Kleinstadt, namens Gentin.
00:02:45: Bin dort aufgewachsen und lebe derzeit in der Nähe von Magdeburg.
00:02:50: Und wo ist Gentin?
00:02:51: Ist das in der nähe von Makdeburg?
00:02:54: Gentin befindet sich eine Stunde von Magdburg entfernt.
00:02:57: Es ist auch ganz großer Zufall dass ich überhaupt hier gelandet bin im Rahmen meiner Ausbildung denn eigentlich hatte ich viel größeres vor.
00:03:04: Oh oh okay!
00:03:06: Das ist schonmal ein sehr guter Cliffhanger.
00:03:07: lieber Jonas für später.
00:03:09: Ich habe es in der Einleitung schon gesagt, du bist Operationstechnischer Assistent kurz OTA.
00:03:16: Unsere Hörerinnen und Hörern haben wahrscheinlich nicht alle ein klares Bild von diesem Beruf.
00:03:20: Kannst Du uns erklären was ein OTA genau macht?
00:03:24: Ja ich versuche das meinen Freunden immer einfach zu erklären indem ich sage ich bin OP Schwester.
00:03:30: die OP Schwestern würden sich jetzt darüber muckieren denn OP Schwestern mögen sie nicht sich mit OTAs gleichgestellt zu sehen.
00:03:39: Allerdings ist mein Aufgabenbereich ähnlich der OP-Schwester beziehungsweise eigentlich gleich der OP Schwester, nur dass meine Ausbildung über die drei Jahre hinweg technisierter ist und sich nur im OP befindet.
00:03:52: Und was heißt technisierte?
00:03:53: Also wo ist da der konkrete Unterschied?
00:03:55: Ich mache dreijahrelang nur die OP Ausbildungen während eine Operationsfachschwester also eine OP Schwester drei Jahre Ausbildung zur Pflegefachfrau, Pflegefachmann macht und dann noch zwei Jahre Fortbildung im OP.
00:04:11: Und das was die OP-Schwester innerhalb von fünf Jahren lernt mit zwei Jahren vertiefter Operationspflege mache ich nur in drei Jahren hat den Nachteil für mich dass sich ausschließlich im OP eingesetzt werden kann.
00:04:27: Und was genau gehört dann so zu deinen Tätigkeitsbereichen im OP?
00:04:31: Ich würde sagen... Ich bin der Mann für alles.
00:04:36: Das beginnt schon bei der Patientennahme, bei der Patientenvorsorge auch wenn es nur ein kleines Gespräch vorne weg ist um den Patienten die Angst zu nehmen während sie in den Operationstrakt kommen.
00:04:48: Ein kleines Pläuschchen schadet niemanden sage ich immer.
00:04:52: Ich bereite die Patienten im Operationstrakt vor kontrolliere das alles richtig ist dass es zu kein Verwechslung kommt übergebe dann den Patienten der Narkoseabteilung und währenddessen bereite ich die Operation vor.
00:05:05: Sprich, ich instrumentiere während der OP das heißt Ich muss die Instrumente zusammensuchen.
00:05:12: Ich muss mir Gedanken machen wie wird was operiert.
00:05:17: Garantiere dann Während der OP die Stilität kümmere mich um die Ärzte bin am besten immer ein Schritt voraus dass die Ärze unbeschwert wie möglich operieren können Und dokumentiere den ganzen Ablauf.
00:05:29: Sorge auch noch nach der Operation dafür, dass der Patient gesund und munter wieder aus dem OP rauskommt.
00:05:37: Krass!
00:05:37: Also ja schon wichtig denn manchmal kann es ja wahrscheinlich auch auf wenig Zeit ankommen wenn da irgendwas nicht bereit liegt.
00:05:43: wäre ja dann wahrscheinlich nicht so optimal?
00:05:45: hast du?
00:05:45: Denn dann pro Eingriff irgendwie eine Liste die du dann abgehen kannst und kannst sagen okay die zehn Sachen brauche ich oder hast du das dann immer im Kopf vorher wenn du das alles bereit legst?
00:05:56: Das ist eine ziemlich gute Frage.
00:05:58: Anfangs, gerade im ersten Ausbildungsjahr wird man total überrumpelt und ich glaube jeder auszubildende hat das Gefühl Ich werde es niemals können!
00:06:06: Ich werde's nicht schaffen.
00:06:08: Natürlich sind die Eingriffe sehr standardisiert Und man weiß eigentlich nach gewisser Zeit immer was kommt.
00:06:15: Aber der Input den man am Anfang hat wenn man die OP vorher vielleicht einmal nur gemacht hat oder gar nicht.
00:06:21: Der ist sehr hoch, weswegen man sich schon viel vorbereiten muss.
00:06:24: Da gibt es auch Listen.
00:06:26: aber mit der Zeit entwickelt sich natürlich eine Routine und die Routine ist in jedem Krankenhaus, in jeder Einrichtung, in jedem Operationstrakt irgendwann gegeben.
00:06:36: Aber als Zeitarbeiter ist es der große Anspruch sich dieser Routine des Krankenhauses, wo man hinzustößt anzupassen und anzunehmen.
00:06:47: Und da greife ich dann viel auf meine Erfahrung zurück um mich so schnell wie möglich reinzufinden.
00:06:53: aber es ist wie beim Autofahren jede Kupplung vom Auto kommt später oder früher und es braucht immer ein klein Moment um sich an die Gegemheiten zu gewöhnen
00:07:01: glaube ich sofort.
00:07:03: Es geht ja auch öfter mal turbulent- und dramatisch zu im OP.
00:07:08: Was war denn der schwierigste?
00:07:10: vielleicht auch belastendste Fall, den du bislang erlebt hast.
00:07:13: Bis vor knapp anderthalb Jahren hätte ich gesagt es war ein Verkehrsunfall mit einem zwölfjährigen Jungen der mit siebzig Kilometer pro Stunde von einem Auto erfasst wurde als Fußgänger.
00:07:27: dabei ging es im OP drunter und rüber und auch dabei gibt es keine Routine.
00:07:32: für jeden Extremfall muss man sich neu auslegen.
00:07:36: Das war schon sehr kritisch, da wir dort am offenen Herzen reanimieren mussten.
00:07:41: Wir mussten die Schädeldecke öffnen und den Bauchraum eröffnen.
00:07:45: Und das geht einem natürlich sehr nahe.
00:07:47: auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe.
00:07:50: Habe ich lange an diesem Fall geknabbert.
00:07:53: aber wie ich ja sagte bis vor anderthalb Jahren hätte ich das gesagt denn mein schlimmstes Erlebnis was mich auch... Ich gebe es ehrlich zu bis heute beschäftigt ist tatsächlich die Ammoq-Fahrt vom Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember.
00:08:09: Oh krass, da warst du involviert!
00:08:11: Das kann ich bis heute ins kleinste Detail aus meiner Erinnerung heraus wiedergeben wo ich gerade war wie ich war und wie ich das verliebt habe.
00:08:22: Also für alle dies nicht mehr so auf dem Schirm haben korrigier mich gerne Jonas wenn ich Quatsch erzähle aber das war december vierundzwanzig magdeburger weihnachtsmarkt.
00:08:32: Saudischer Mediziner war das sogar, der da mit einem X-Trei durch ein Rettungsweg auf den Weihnachtsmarkt am alten Markt gefahren ist und dann eben mit ziemlich hoher Geschwindigkeit rund dreihundert Meter durch die Menschenmenge durch.
00:08:43: Und ich glaube sechs Personen getötet und über dreihundert verletzt?
00:08:48: Vier Personen sind leider verstorben und knapp an die Dreihundert Leute waren verletzts.
00:08:54: Darunter knapp siebzig in meiner Klinik als schwerverletzt eingeliefert worden.
00:08:59: Krass, und bist du da dazugerufen worden oder hattest du ohnehin Dienst an dem Abend?
00:09:04: Genau.
00:09:04: Ich weiß das noch ganz genau.
00:09:06: ich war natürlich als Ortsansässiger auch schon auf dem Weihnachtsmarkt eine Woche zuvor Und habe mich noch unterhalten mit meinem Kumpel weil man hat ja immer so ein Auge für solche Dinge Weil es ist ja kein geschehenes was das erste mal war.
00:09:21: Und der sagt dich noch zum kumpel guck mal da stehen gar keine stein hier kannst ja locker einfach rein faden.
00:09:26: wie kann das denn sein?
00:09:28: Und eine Woche später schrieb er dann bei WhatsApp abends.
00:09:31: Ich habe gerade in meinem frühsternierten Haus den neuen Kaminofen mit meinem Kumpel aufgestellt und da kam die WhatsApp, du, der ist grad einer
00:09:39: durchgefahren.".
00:09:41: Daraufhin rief ich meinen Assistenzarzt an und fragte, ich hab hier grade was gehört, muss ich kommen?
00:09:49: Er sagte ja wir lösen jetzt den Manf aus.
00:09:52: das ist ein spezielles Alamierungssystem für Massenanfall an Verletzten Und komm mal ruhig schon.
00:09:59: Du wirst kommen
00:10:00: müssen.".
00:10:01: Dann habe ich mich ins Auto gesetzt, bin natürlich gesittet normal hingefahren und während der Autofahrt klingelte dann schon mein Handy.
00:10:08: das ist ähnlich zu vergleichen mit diesem Notwarnensystem in der Bundesregierung für Katastrophen.
00:10:13: da gibt es ja ab und zu so Testalarme und da wusste ich okay ist jetzt ernst.
00:10:18: auch auf dem Weg zur Klinik hat man über Magdeburg Ich wohne wie gesagt etwas im Speckgürtel Über Magdeburg schon wirklich den Blaulichtregen gesehen in den Wolkenspiegeln.
00:10:28: Das war total schockierend und auch in der Klinik angekommen, die Schranken waren alle oben und die Leute sind einfach zum Helfen gekommen.
00:10:40: Wahnsinn!
00:10:41: Und wenn da so viele Menschen sind?
00:10:44: Also da kann man ja gesittet und normal gar nicht arbeiten.
00:10:47: also das muss doch super turbulent dann sein
00:10:49: oder?!
00:10:50: Ja, ich bin umgehend in den OP gegangen weil ich wusste ich kann nur operieren.
00:10:55: Ich habe nicht darauf gewartet wie ich koordiniert werde denn es gibt auch einen speziellen Manf-Manager der die Leute dann verteilt und dem Bedarf abdeckt.
00:11:05: für mich war klar ich bin operationstechnische Assistent und ich muss in den OPA bin dann dort hingegangen und hab auf den ersten gewartet der unsere Hilfe braucht.
00:11:16: Das geht ja nach einem Triage-System.
00:11:19: Da gibt es die Farbe Rot, Gelb und Grün.
00:11:22: Rot heißt umgehende Handlungsbedarf der Patient ist lebensbedrohlich verletzt.
00:11:27: Gelb heißt er benötigt innerhalb der nächsten Stunden eine Behandlung und grün heißt du brauchst keine Behandlungen bzw nicht so notwendig dass Du jetzt Kapazitäten in Anspruch nehmen musst.
00:11:41: Ich war einer der ersten meiner Kollegen mit im OP Und in der Uniklinik ist es so, dass jede Fachabteilung das ein eigenes OP-Team hat.
00:11:51: Wir sind insgesamt sechs Leute gewesen im normalen Regeldienst damals und nach knapp einer halben Stunde nach Alarmierung waren wir vier Leute.
00:12:01: Dann standen wir wirklich da wie in einem Film und haben gewartet bis der erste Patient kommt weil es hieß, wir müssen heute viel schaffen!
00:12:10: Und der erste Patient war dann ein junger Mann, der hatte diverse Knochenbrüche und offene Verletzungen.
00:12:17: Der war wirklich der Patient mit der höchsten Priorität, ich würde schon sagen Farbe dunkelrot.
00:12:23: Den fuhren wir in den Saal.
00:12:25: was mir dabei lange in Erinnerung bleibt sind die Markierungen auf den Menschen.
00:12:30: dadurch dass ja so viele Menschen verletzt wurden und man natürlich nicht erst dem Personalausweis sichten konnte und die Identität des Patienten klären konnte Hat man ihn einfach mit einem fetten schwarzen Adding eine Nummer auf die Stirn und auf andere Körperteile geschrieben, dass man sie sieht.
00:12:45: Und so fing es dann an.
00:12:47: Nummer einundsiebzig war der erste Patient und wie gesagt ein junger Mann.
00:12:52: wir haben ihn erst versorgt innerhalb von zwanzig Minuten und Wir wussten aber nicht wie viele Patienten noch kommen.
00:13:01: Es war in drunter und rüber Und dadurch, dass man auch nicht unbegrenzt sterile Ressourcen im OP hat muss man auch schauen wie koordiniert man sich jetzt und wo führt man die nächste Operation überlappend durch.
00:13:15: So kam es denn das der zweite Patient kam.
00:13:17: dann kam der dritte Patient und wir sind nur zwischen den OP-Seelen als OP-Fleger gesprungen und die Ärzte haben sich aus der Notaufnahme immer wieder ein Patienten abgeholt.
00:13:29: Im Sinne einer eins zu eins Betreuung.
00:13:32: Der Arzt ist nach unten gegangen, hat sich eine Karteikarte mit der Nummer geholt.
00:13:38: Ist mit den Patienten gemeinsam in den OP-Seil gefahren.
00:13:41: Dort haben wir schon auf die gewartet und sind dann in einen OP-Saal, der gerade noch frei war, haben den Patienten versorgt und sind wieder nach vorne in die Patientenschleuse gegangen.
00:13:50: Wir haben mal auf den nächsten Oberarzt gewartet bis er uns den nächsten Patient bringt.
00:13:54: Es ist aber so, dass man nicht weiß wie viele Patienten kommen da noch?
00:13:58: Bei Patient Nummer neun, den nur ich als OP-Fleger als OTA betreut habe war für mich dann um vier Uhr morgens Feierabend.
00:14:08: Ich stelle mir das auch besonders herausfordernd vor weil man ja auch persönlich betroffen sein kann also durch Freunde oder Familie die zu Schaden gekommen sind.
00:14:15: am Anfang war hier die Lage super unübersichtlich.
00:14:17: haben dich solche Gedanken beschäftigt?
00:14:19: Oder warst du da zu sehr im Tunnel für solche Gedanken?
00:14:23: Ja, ich habe viel im Freundeskreis im Nachhinein gehört.
00:14:27: Wir wollten eigentlich auf den Weihnachtsmarkt gehen.
00:14:29: zum Glück haben wir das nicht gemacht und mein erster Anruf im Auto noch war natürlich meine Freundin.
00:14:35: die war gerade auf der Weihnachtsfeier von der Arbeit aus Und sie haben sich aber noch kurz davor dagegen entschieden auf dem Weihnachtsmarkt zu gehen.
00:14:42: Das war kurz vor heiligabend und es wäre viel zu voll gewesen.
00:14:46: deswegen sind Sie an eine andere Lokalität Angelaufen, sag ich mal.
00:14:51: Die waren zu Fuß unterwegs... Der erste Anruf ging natürlich an meine Freundin.
00:14:55: Geht's dir gut?
00:14:56: Ja mir geht es gut!
00:14:57: Okay.
00:14:58: Danach hatte ich auch gar keine Zeit mehr irgendwie auf mein Handy zu schauen.
00:15:01: aber die Gedanken natürlich so viele Freunde wie hier in der Umgebung habe dass sie könnten betroffen sein und das sich vielleicht jemanden treffe gleich hier auf dem OP-Tisch den ich persönlich gut kenne.
00:15:12: Die Gedanken hatte ich natürlich die ganze Zeit.
00:15:15: Ich
00:15:17: glaube sofort.
00:15:18: Krasse Geschichte Jonas.
00:15:20: Ja, kann mir gut vorstellen dass so was lange nachhalt so eine Geschichte war.
00:15:26: Ich wünsche es auch keiner Pflegekraft in keinem Leben egal wie viele Jahre man arbeiten muss das man sowas mit erleben muss.
00:15:34: Es ist schon schlimm genug sowas in den Medien überhaupt mitzuverfolgen.
00:15:39: Komm dann kommen wir mal zur etwas strahlenderen Kehrseite der Medaille.
00:15:44: ich habe dich jetzt nach dem belastendsten Fall gefragt Was war denn bisher?
00:15:48: Der schönste Moment in deiner Karriere als OTA.
00:15:51: das Transport ist nach Deutschland, warum auch immer haben wir ihn versorgt.
00:16:18: Das gute Ergebnis was wir erzielen konnten durch unsere medizinische Versorgung habe ich persönlich miterlebt Denn eines Tages war ich Warum auch immer bei meinem Oberarzt im Büro um einen Kaffee zu trinken?
00:16:33: Man isst ja doch auch nur irgendwo ein Mensch Und da sagt der zu mir kommen Ich hab jetzt Sprechstunde Wir gehen mal rüber den Patienten kennst du noch denn natürlich bleiben solche Patienten in Erinnerung.
00:16:43: Es ist irgendwo Krieg, der Mensch ist auf eine Mine getreten, das hat man auch nicht jeden Tag und es war eine große
00:16:49: Baustelle.".
00:16:50: Und der Patient erkannte mich tatsächlich wieder im Sprechzimmer, hat sich bedankt – auf Englisch natürlich – und konnte laufen!
00:17:00: Natürlich hat man die Blessuren in Form von Narben gesehen aber er konnte laufen, er konnte seine Arme bewegen und das war für mich so ein Moment wo ich dachte, Mensch jetzt... sieht man auch das tolle Ergebnis und der Mensch hat wieder ein relativ unbeschwertes tolles Leben.
00:17:15: Ja, Leben ist das Stichwort ne?
00:17:17: Und da hast du ja mit diesen beiden Fällen die Du gerade beschrieben hast, hast Du ja diese beiden Extreme, die Dein Beruf dann einfach auch mit sich bringt!
00:17:25: Das is schon wirklich krass.
00:17:26: also sowohl diese schlimmen Fälle als eben aber auch diese schönen Momente, die ja auch außergewöhnlich sind und die jetzt nicht jeder Berufstätige sagen normal so emotional Erleben wird wie du.
00:17:40: Ja, natürlich trifft man auch nur Menschen im Krankenhaus den es nicht gut geht und ich finde das auch schwierig da positive Dinge draus zu ziehen.
00:17:50: aber wenn ich das auf meine Person beziehen kann dass ich die Menschen mit meiner Tätigkeit im OP als OTA geholfen habe dann finde schon dass man von positiven Dingen sprechen kann Ja.
00:18:03: Und auch die Wertschätzung unter Kollegen ist immer eine tolle Erfahrung, wenn man sagt nach einer anstrengenden herausfordernden Operation Mensch hast du toll gemacht oder wieso wir reden?
00:18:14: Du das erledigt hast finde ich gut!
00:18:17: Auch das sind positive Dinge.
00:18:19: Dann lass uns doch mal back-to the roots gehen.
00:18:21: wann hast du denn zum ersten Mal gedacht Ich will in die Medizin und warum bist du überhaupt In dem Bereich gelandet?
00:18:27: mein Vater ist Dr.
00:18:30: Füchemie, ein richtiger Doktor Unterfachkreisen, ein Doktor Rehanat und ich habe immer viel erlebt was mein Vater alles weiß und ich wusste das werde ich nicht können.
00:18:42: Ich hab mir als Kind oft viel Druck gemacht Mensch!
00:18:47: Ich muss meinem Vater gerecht werden Und der wird auch nur stolz auf mich wenn ich jetzt auch irgendwas hoch technisiert ist oder Hochmedizinisches studiere oder überhaupt etwas studiere Und eines Tages im Gespräch habe ich ihm das so offenbart, dass ich mich unter Druck gesetzt fühle.
00:19:04: Obwohl mein Vater überhaupt nicht diesen Erziehungsstil gefahren hat, dass Ich wehren muss was er möchte.
00:19:10: und in diesem Gespräch sagt er dann zu mir Du mach worauf du Lust hast Mach was du willst!
00:19:17: Du musst damit zufrieden sein.
00:19:18: und egal was ich mache er ist stolz auf mich.
00:19:22: Und daraufhin finde ich natürlich eine ganz andere Sichtweise zu entwickeln auf mein zukünftiges Berufsleben und habe mich umgeschaut.
00:19:31: Für Medizin bin ich ganz ehrlich, habe ich einfach in der Schule nicht genug aufgepasst.
00:19:36: Ich hab ein viserables Abitur gemacht aber das war mir auch mit meinem Jugendlichen leicht sind egal Und ich bereue es bis heute nicht und habe dann mich um geschaut.
00:19:46: was gibt es denn für Alternativen dass sich eng an einem Arzt arbeiten kann Aber nicht dafür studieren muss?
00:19:53: Und so bin ich auf den Beruf OTA gekommen.
00:19:56: Krass!
00:19:57: Ja, cooler Werdegang und ein Hoch-of-Papa kann man an der Stelle nur noch mal sagen.
00:20:01: Genau so sollte man das machen als lieber Vater?
00:20:04: Ich habe ihm viel zu verdanken und ich bin auch immer noch dankbar dass es ihn gibt und dass ist so gekommen ist wie es gekommen ist.
00:20:12: Schön...und wie lief dann die Ausbildung?
00:20:14: war das also entspannt in Anführungszeichen oder war das hart?
00:20:18: Das war natürlich meine erste und einzige Ausbildung.
00:20:21: Im Vergleich zum Abitur war es schon eine harte Ausbildung, es erforderte viel Lerdenfleis.
00:20:29: allerdings fiel mir das viel leichter weil man macht ja in dem Moment das worauf man Lust hat.
00:20:36: nicht wie in der Schule muss man Kunst, Geschichte, Deutsch machen sondern man hat kompakt das Wissen was man auch wissen möchte.
00:20:44: ich musste viel lernen viel Zeit investieren, auch während der Praxiseinsätze in der Ausbildung.
00:20:52: Dass ich mich da richtig reinknie und auch rein finde.
00:20:55: Und irgendwann gab es den Punkt in einer Ausbildung wo ich den Beruf verstanden habe.
00:21:01: So fühlt's mir auch leichter mal nach links oder rechts zu schauen und dann die Ausbildung tatsächlich mit Bravour zu meistern!
00:21:09: Du hast gerade links und rechts schon gesagt, du hast ja in der Ausbildung verschiedene Fachbereiche kennengelernt.
00:21:15: Welcher Bereich hat dich denn am meisten fasziniert?
00:21:17: Und ist das heute noch genauso oder hat sich das im Laufe der Zeit gewandelt?
00:21:21: Tatsächlich hat mich die Unfallchirurgie in der ausbildung schon am meisten fasciniert.
00:21:26: natürlich waren andere Fachbereichen wie Neurochirurgy Plastische Rekonstruktion Chirurgies aber auch die allgemeine Chirurgie immer spannend.
00:21:35: Aber die Unfach-Chirurgien hat mich tatsächlich gekencht.
00:21:39: Und zum Ende meiner Ausbildung hin, im Jahr zwei Tausend zwanzig war dann auch eine Stelle in der Uni Klinik frei für die Unfallchirurgie und die habe ich mir gleich geschnappt.
00:21:50: Dadurch dass ich dort fünf Jahre Berufserfahrung sammeln konnte in der Unfallcherurgie, habe ich heute Riesenvorteile in der Zeitarbeit.
00:21:58: da ich viele Systeme kenne sei es Hüftsysteme, ganz viele verschiedene diverse Plattensysteme verschiedenster Hersteller oder auch Wirbelsäulensystem kann ich natürlich eine große Bandbreite an Expertise vorweisen was die Unfallchirurgie betrifft.
00:22:15: Das macht es mir in der Zeitarbeit ungemein leichter mich an die Gegebenheiten zu gewöhnen denn ich beziehe es mal wieder metaphorisch auf einer anderen Ebene nicht Jedes Krankenhaus fährt vw.
00:22:27: Es gibt auch Krankenhäuser, die fahren Mercedes oder BMW und dadurch dass ich aber viele Modelle kenne fällt es mir um so leichter dort eine gute Arbeit zu machen.
00:22:37: cool also man kann sagen super geil den Weg hingelegt und da ist nicht nur Papa stolz sein kannst du ja auch mega stolz drauf sein.
00:22:45: Ich muss noch mal nachhaken weil du am Anfang gesagt hattest Du hattess großes vor.
00:22:50: Was war denn die Alternative?
00:22:52: Oder was hatteste denn irgendwannmal im Kopf?
00:22:54: dass ich hatte großes Vorweihr in Bezug zur Entfernung zu meiner Heimat.
00:22:59: Ach so!
00:23:03: Ich hatte mich beworben im UKE und die Klinik Eppendorf, in Hamburg.
00:23:07: Und viel weiter entfernte Standorte haben von mir die Bewerbung im Briefkasten gehabt darunter aber auch Magdeburg.
00:23:16: Und ich weiß gar nicht ob bis heute eine Antwort von den anderen Kliniken bekommen habe Aber Magdeburg war die erste Klinik, die mir die Zusage für dieses Assessment, diesen Einstellungstest gegeben hat.
00:23:32: Und dann bin ich da hingegangen und von knapp hundertfünfzig Bewerbern wohnen sieben Stück genommen.
00:23:38: Das war das Weges Schicksals, dass ich nur eine Autostunde vor meiner Heimat entfernt bin.
00:23:43: Ansonsten wäre ich jetzt vielleicht in Köln gelandet oder Hamburg.
00:23:47: In Magdeburg ist es auch sehr schön – das weiß ich nur zu gut!
00:23:51: Es ist doch auch schön, wenn man nahe der Heimat arbeiten kann und ich glaube genau so wie du das sagst.
00:23:56: Ist es auch?
00:23:57: Es soll dann am Ende eben immer genauso sein, wie's dann eben auch kommt.
00:24:02: Genau!
00:24:02: Das hat ein bisschen die Familie zusammengehalten dadurch dass man dann auch nachmittags, nach dem Feierabend mal kurz nach Hause fahren konnte.
00:24:11: Und wenn ich mir überlege Ich wäre jetzt fünfhundert Kilometer von zuhause entfernt Wer
00:24:15: weiß?!
00:24:16: Ich hätte meine Freundin nicht Ich hätte mir kein schönes Haus in der Nähe von Magdeburg leisten können weil die Preise in Köln vielleicht nicht machbar gewesen wären oder vieles andere.
00:24:26: Vielleicht wäre ich auch niemals zur Zeitarbeit
00:24:28: gekommen.".
00:24:29: Ja, ja stimmt!
00:24:31: Lass uns doch gerne jetzt nochmal kurz in den OP-Saal eintauchen Jonas.
00:24:35: Mich würde interessieren wie ist denn das Verhältnis zwischen OTA und Chirurginnen und Chirogen?
00:24:40: Begegnet man sich da auf Augenhöhe oder spürt man da Hierarchie?
00:24:45: Also ich mache dem Beruf jetzt seit knapp acht Jahren.
00:24:50: Ich kenne die sogenannte Hierarchie nur aus Erzählungen.
00:24:53: Ich würde auch fast gar nicht sagen, dass man sich auf Augenhöbe begegnet sondern eher unter der Gürtellinie.
00:25:02: wie einst mein leitender Oberarzt damals zu mir sagte wir duzen uns hier alle Wir stehen ja allen im selben Blut!
00:25:10: Wir brauchen hier keine Show machen und ich bin daher so und so Kann, glaube ich auch nur als gutes Team funktionieren.
00:25:20: Wenn es eine lockere Stimmung gibt natürlich mit gewissen Regeln.
00:25:29: Aber Ich denke operieren häufiges operieren Schweiß zusammen.
00:25:34: das merke ich auch jetzt im Rahmen meiner Arbeitnehmerüberlassung.
00:25:38: derzeit bin ich in Wolfsburg tätig.
00:25:42: Je länger ich dort war und je besser ich mich dort eingefunden habe dass so Befreundeter war ich auch mit den Ärzten.
00:25:50: Die Hierarchie existiert vielleicht noch unter den Äzten zwischen Oberarzt, Facharzt und Assistenzarzt.
00:25:57: aber der Doktor ist heutzutage so angewiesen auf unsere Person im OP als die OP also auf die OP Pflege dass er sich gar nicht erlauben kann bösartig hieraus zu sein.
00:26:09: Und umso angenehmer ist das Arbeiten auch je mehr man miteinander spricht.
00:26:16: es ist ja nicht im Europä so, dass dort geschwiegen wird und operiert wird.
00:26:20: Man hört Musik zusammen.
00:26:22: Man redet auch über das letzte Wochenende.
00:26:25: Solange die Arbeit kompromisslos sorgfältig durchgeführt wird kann man einfach nur Menschen nebenbei sein.
00:26:32: Finde ich auch gut.
00:26:33: Wollte ich sagen solange nicht Roboter diese Operation durchführen ist es ganz schön wenn's menschlich zugeht.
00:26:38: Ich kann mir vorstellen Es gibt auch ein OP-Humor oder?
00:26:43: Ja da muss man auch privaten aufpassen.
00:26:47: vielen Leuten wird ja schon übel, wenn man nur von Blut spricht.
00:26:51: Und der OP-Humor würde ich sagen ist einer der dreckigsten Humore im Sinne von jugendlicher Humor.
00:27:02: Da wird auch am Tisch ausgetauscht über ekelhafte Fälle die man hatte oder komische Gespräche werden geführt, die auch nur jemand verstehen kann, muss man glaube ich wollen und man muss glaube ich auch so ein bisschen dafür gemacht sein.
00:27:18: Und wenn man mit diesem Humor in das Berufsleben als OTA startet, ich glaube was findet die besten Freunde auf der Arbeit?
00:27:27: Ich glaube dass Humor doch auch wahnsinnig gut dabei hilft ja seinen Job dazu machen ohne sich vielleicht auch permanent dieser großen Verantwortung bewusst zu sein, die man daher hat Wenn es menschlich zugeht und man kann mit den Kollegen einfach sich auch austauschen, es macht Spaß.
00:27:45: Funktioniert man ja im Zweifel auch besser?
00:27:47: Und auch wenn's vielleicht mal nicht so gut läuft, hilft ja auch irgendwie eine gute Stimmung im Team!
00:27:53: Was mich dazu bringt
00:27:54: Jonas?!
00:27:55: Wie gehst du denn damit um, wenn eine Operation mal nichtso gut ausgeht?
00:27:59: Hast Du da vielleicht auch Tipps für Berufseinsteigerinnen oder Einsteiger?
00:28:03: Ja also die gängige Floskel ist ja... Man darf nicht alles mit nach Hause nehmen.
00:28:09: Aber ich finde, man darf schon einiges mit nach Hause nehmen.
00:28:12: Es ist okay, mit seinen engsten Vertrauten über Fälle zu sprechen aber auch im Team sich auszutauschen was jetzt nicht gut lief und was gut lieft.
00:28:24: Und diese gute Stimmung dieses gelassene Miteinander funktioniert eben auch nur wenn die Versorgung für den Patienten garantiert ist.
00:28:31: Wenn es jetzt brenzlich wird während einer Operation dann macht auch keiner mehr Witze Dann wird kurz rangeklotzt, es wird sich konzentriert.
00:28:39: Der Patient steht trotzdem im Vordergrund und wenn etwas nicht gut lief im Nachhinein dann kann man da ganz offen drüber reden denn meistens sind die Leute im OP so weit selbst reflektiert dass sie sich den Fehler auch eingestehen.
00:28:52: Denn es geht gar nicht um die eigene Befindlichkeit Es geht um die Versorgung des Patienten Und dabei gibt es fast ausschließlich konstruktive Kritik.
00:29:04: Wenn ich jetzt dem Chirurgen sage, du.
00:29:05: Ich hätte mal auf die Unfallchirurgie bezogen.
00:29:08: Ich hatte die Schraube ein bisschen kürzer gemacht aber ist nicht so dramatisch beziehungsweise wenn die Fraktur der Bruch zum Schluss nach der Plattenversorgung überhaupt nicht gut steht kann ich ihm auch sagen Hätte ich anders gemacht?
00:29:21: Nicht im Sinne von ich persönlich als Rotea hätt es besser gemacht.
00:29:25: Aber aufgrund meiner Erfahrung gebe ich damit zum Ausdruck Es geht besser und Das nehmen sich Chirurgen oft an, beziehungsweise auch Kollegen.
00:29:36: Wenn ich sage du pass auf?
00:29:37: Ich hätte jetzt die Schere andersrum angereicht mal ganz banales Beispiel.
00:29:42: Dann wird das nicht auf die eine Person bezogen sondern wirklich auf die Fachlichkeit.
00:29:46: und darauf kommt es glaube ich im OP auch an dass man ehrlich miteinander umgehen kann und kein Schauspiel macht weil hierbei geht zum Schluss um Menschleben.
00:29:54: Und alles was verbesserungswürdiger ist kann man auch anbringen im ständigen Austausch untereinander sein, dass das dem Patienten zum Schluss am besten geht.
00:30:08: Ist ja grundsätzlich immer eine gute Sache wenn man auch offen ist für konstruktive Kritik und nicht sich immer persönlich angegriffen fühlt sondern es einfach als Möglichkeit sieht ist beim nächsten mal noch ein bisschen besser zu machen und da haben ja alle was davon.
00:30:20: eben derjenige der dann vielleicht diese Kritik mal abbekommt finde ich gut dass ihr so einen Umgang habt also vor allem natürlich im Sinne der Patienten.
00:30:29: Ich bin auch immer sehr dankbar, wenn man mir was sagt.
00:30:33: Und im Rahmen der Zeitarbeit sehe ich auch viele Kliniken und jeder arbeitet anders.
00:30:40: aber auch im OP gilt es viele Wege für nach Rom.
00:30:44: Dadurch dass sich mannigfältige Einblicke in die Klinik bekommen habe ich auch die Möglichkeit diese mannischfaltigen Varianten anzunehmen.
00:30:53: Das heißt also, ich bin viel flexibler.
00:30:56: Ich schaffe es mich schnell anzupassen und kann dadurch das Wissen aus anderen Kliniken was ja erst mal nicht schlecht ist wenn nicht sogar besser ist als Verbesserungsvorschlag in einer anderen Klingel wo ich Verbesserungspotenzial sehe anbringen.
00:31:11: Und perfekt ist niemand!
00:31:13: Auch ich muss viel fragen aber auch das ist nicht verboten lieber einmal mehr Fragen als einmal zu wenig.
00:31:21: Ein wahres Wort Du hast gerade Zeitarbeit schon als Stichwort genannt.
00:31:26: Warum hast du dich denn, zwei Tausendfünfundzwanzig?
00:31:28: Nachher, ich glaube fünf Jahre in der Festanstaltung entschieden mit Doktari in die Zeitarbeit zu
00:31:32: wechseln.".
00:31:34: Ich habe natürlich Leute von Doktaris schon während meiner Zeit in einer Festanstellung kennengelernt.
00:31:42: Das war ein Anesthesist namens Farid Ali.
00:31:46: das möchte ich auch gerne namentlicher vorheben Denn dieser kommt aus Hamburg und brachte mir die Firma Doktari erst mal näher.
00:31:53: Und ich habe mich viel mit ihm ausgetauscht, auch so wie wir gerade schon besprochen haben hat sich eine Freundschaft entwickelt und wir waren dann eines abends essen und ich sprach natürlich von Unzufriedenheit.
00:32:04: Ich war ausgelaugt, vierundzwanzig Stundendienste Schichtsysteme und ich war einfach K.O Und er sagte du bist so jung Jonas geht doch einfach in die Zeitarbeit Du lernst noch soviel mehr.
00:32:18: Und was soll schon passieren, wenn ich kommst du einfach zurück?
00:32:22: Weil mein Gedanke war immer in den fünf Jahren Uni-Klinik.
00:32:27: Ist es das jetzt gewesen so ganz zufrieden bin ich ja doch nicht weil ich als junger Mensch schon gemerkt habe wie anspruchsvoll beziehungsweise wie körperlich dieser Beruf auch für mich ist Wenn ich gegen meinen Biorhythmus nachts arbeiten muss und das sechsmal im Monat während dieser vierundzwanzig Stundendienste.
00:32:45: und mich trieb immer nur der Gedankel um dass ich das nicht kann.
00:32:49: Ich kann doch jetzt nicht einfach in eine andere Klinik gehen, ich weiß ja nicht wo liegen denn die Instrumente?
00:32:54: Wie wird denn da operiert?
00:32:56: Ich wusste nicht aus mehr heraus ob ich flexibel genug bin für die Zeitarbeit und mein Kumpel Farid sagte dann einfach mach einfach!
00:33:04: Ich bin nach meinem Facharzt einfach gegangen, ich bereue es keine Sekunde.
00:33:09: Na gut lange Rede kurzer Sinn... ich habe's einfach gemacht
00:33:13: Und es klingt so als hast du's auch nicht bereut.
00:33:16: Ich bereu es bis heute nicht.
00:33:18: Keine einzige Sekunde!
00:33:20: Ich schätze jedes Wochenende, welches ich zu Hause sein darf.
00:33:23: Ich schätz es an Feiertagen mit meinen Freunden im Garten zu sitzen und zu grillen.
00:33:28: Und ich schätze es einfach wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen wenn ich's mal so knallhart ausdrücken darf denn aufgrund dieser vierzehnzig Stunden-Dienste und Schichtdienste wurde ich irgendwann vom Freundeskreis schon gar nicht mehr gefragt ob ich Lust habe zum Grillen zu kommen weil der ist doch eh arbeiten.
00:33:46: wieder ein geregelten Alltag.
00:33:47: Ich kann arbeiten gehen, wo ich möchte, wann ich möchte und wie.
00:33:52: ich möchte natürlich in Absprache und Unterrücksicht der Klinik.
00:33:56: das ist mir auch immer sehr wichtig dass sich die Leute nicht vor endete Tatsachen setzen.
00:34:02: aber im Großen und Ganzen ist dieses Konzept Zeitarbeit für mich einfach der Bringer im Gesundheitssystem weil ich wie ein anderer Mensch arbeiten kann.
00:34:12: ich kann meine Freizeit Planen?
00:34:16: Ich kann das gar nicht beschreiben.
00:34:20: Mir geht es einfach besser!
00:34:21: Und was dich aber gerade, weil du das auch gesagt hast andere Klinik und dann die Instrumente finden und so... Es ist ja gerade im OP auch wichtig als gut eingespieltes Team zu funktionieren.
00:34:31: Wie wirst Du denn dann so als Neuer in so einem OP-Team aufgenommen?
00:34:35: Machst Du da was Spezielles damit die Chemie stimmt?
00:34:38: Prings Süßigkeiten oder irgendwas derart?
00:34:41: Nein also ich bin einfach ich und bin auch von Natur aus ein sehr sozial kompatibler Mensch.
00:34:48: Ich gehe auf die Leute zu, wichtig ist dass ich mich immer bei jedem vorstelle und auch wenn ich das Gesicht vergessen habe vielleicht mich noch ein zweites Mal vorstellen im Bezug auf die Instrumente und natürlich die ganze Logistik im OP.
00:35:01: Das alles ist immer anders.
00:35:03: Gehe ich anfangs offen mit der Situation um und sage pass auf stellt mich hier an Tisch und bring mir die Instumente die ich brauche Von mir ist auch nach dem Feierabend und schaue mich noch mal um.
00:35:14: Und beweise mich innerhalb der ersten Woche, dass ich schnell und viel lerne, wodurch die Kollegen dann diesen Vorurteil ablegen.
00:35:23: Der kommt von der Zeitarbeit, der weiß doch gar nicht wo das alles liegt.
00:35:28: Ich versuche immer entgegen der Vorurteile zu arbeiten indem ich mich unter Beweis stelle.
00:35:34: Cool!
00:35:35: Was würdest du denn Fachkräften sagen, die mit dem Gedanken spielen in die Zeitarbeit zu wechseln aber sich vielleicht noch nicht so ganz trauen?
00:35:43: Ich bin ja viel im Austausch und auch oft bin ich das Sprachrohr für die Zeit Arbeit.
00:35:48: Natürlich kommen Kollegen in den Einsatzorten zu mir und fragen mich ein bisschen aus.
00:35:53: Und ich bin da auch ein offenes Buch – ich rede offen mit denen ohne versuchen sie jetzt zu überzeugen!
00:36:00: Spreche immer aus der Ich-Perspektive und sage, wie ich damit umgehe.
00:36:04: Wie für mich das Leben ist in der Zeitarbeit?
00:36:08: Und natürlich gibt es auch viele die sagen, oh, ich würde das so gern machen aber ich habe ein Kind, ich habe Haustiere und ich möchte gegebenenfalls unter der Woche nicht weg sein.
00:36:20: Es gibt natürlich auch die Möglichkeit Einsatzorte in der Nähe zu finden dass man jeden Tag fahren könnte Aber ich möchte halt viel erleben und auch viel rumkommen.
00:36:29: Und auch, ich sage mal andere Operationskulturen kennenlernen weswegen ich auch Einsätze mit mehr Entfernung wähle.
00:36:37: Und offene Fragen beantworte ich einfach nach der... also einfach wahrheitsgemäß und ich verstelle mich nicht.
00:36:45: Ich sage denen auch meine eigenen Vorteile und meine eigenen Nachteile.
00:36:50: Wenn man mich aber fragt sollt ich es tun?
00:36:52: Sag' ich auf jeden Fall!
00:36:54: allein für die persönliche Entwicklung, was man alles lernen kann außerhalb der vier Wände der eigenen Klinik.
00:37:02: Das ist unvorstellbar!
00:37:04: Lieber Jonas so langsam biegen wir auf die Zielgerade ein weshalb ich gerne mit dir noch über ein anderes Thema sprechen möchte.
00:37:10: am zwölften Mai war der Internationale Tag der Pflege.
00:37:14: Man könnte ja sagen dass der Pflegeburuf aktuell unter einem Imageproblem leidet.
00:37:19: wie nimmst du das wahr?
00:37:21: Da müsstest du das Wort Ibbitch-Problem noch ein bisschen spezifizieren.
00:37:26: Naja, es wird ja zumindest immer viel gesprochen dass die Bedingungen nicht so gut sind, die Bezahlung nicht so Gut sind.
00:37:33: also Stichwort Fachkräftemangel auf der einen Seite und dann aber auch mangelnde Wertschätzung auf der anderen Seite?
00:37:41: Ja ich glaube Es wird politisch zu sehr gepusht Aufgrund Der aktuellen Lage.
00:37:50: Pflegefachkräfte verdienen gutes Geld, meiner Meinung nach in der Festanstaltung.
00:37:56: Allerdings nicht entsprechend der Leistung die sie bringen.
00:38:01: Wie ich vorhin schon sagte Ich habe bis zu sechs vierundzwanzig Stunden Dienste früher meiner Festanstellung gemacht und hab damit roundabout drei tausend zweihundert Euro verdient was runtergerechnet auf diese zwo hundertvierzig Stunde im Monat eigentlich ganz geringer Hungerlohn war.
00:38:21: sollte man mehr nach vorne schauen, man sollte perspektivischer handeln und nicht immer im Hier-und-Jetzt.
00:38:29: Ich bin ja auch kein Politiker und Lösungsvorschläge habe ich jetzt noch nicht erarbeitet.
00:38:33: aber meiner Meinung nach sollte viel investiert werden ins Gesundheitssystem und man sollte von der Wirtschaftlichkeit der Gesundheit des Menschen absehen um eben die Probleme, die jetzt schon im Agen sind später nicht ausmerzen zu müssen.
00:38:49: beispielsweise Eintritt ins Rentenalter der letzten Generation jetzt in der Pflege.
00:38:55: Da gibt es ja schon Prognosen, dass ab dem Jahr zwölf Jahre, wenn diese Baby-Boomer-Generation in Rente geht und das Gesundheitssystem, was die Pflegekräfte betrifft komplett einbrechen wird, man müsste es attraktiver machen.
00:39:09: Es ist auch nicht immer nur das Monitäre sondern auch der Umgang miteinander.
00:39:13: oft erlebt man auch Neid und einfach Erschöpfung in den Kliniken, was einfach viel Unmut schwört.
00:39:19: Ja, als auch da wieder ein wahres Wort und ich glaube auch Geld ist nicht das Einzige was die Menschen ja glücklich macht.
00:39:28: Die wollen einen Sinn sehen, die wollen vernünftige Strukturen und einfach auch gute Arbeitsbedingungen Und ich glaube da gibt es einige Stellschrauben an denen da am großen Rat getreten werden kann.
00:39:38: von der Politik Bist du guter Dinge dass sich die Sachen in die positive Richtung entwickeln grundsätzlich?
00:39:45: Wie gesagt, ich bin ja kein Politiker und es ist auch ein hochkomplexes Thema wo ich mich überhaupt nicht in der Kompetenz sehe das jetzt zu beurteilen.
00:39:54: Aber ich sage mal so Es muss was passieren weil sonst funktioniert's gar nicht mehr!
00:40:01: Es muss ja irgendwie eine Lösung geben um das Gesundheitssystem Alles eingeschlossen.
00:40:09: Die Pflegekräfte, die Ärzte, die Reinigungskräfte... Das was das Gesundheitssystem am Laufen hält?
00:40:15: Es muss etwas passieren dass es nicht zum großen Crash kommt.
00:40:20: Lieber Jonas!
00:40:21: Zum Abschluss bist du jetzt Teil eines Experiments denn wahrscheinlich ist dir schon aufgefallen dass wir heute zum wahrscheinlich ersten mal überhaupt keine Schnellfrage Runde am Anfang gemacht haben.
00:40:31: warum?
00:40:32: Einfach, weil wir unsere Anamnese heute mal ans Ende stellen wollten.
00:40:35: Ich würde dir daher gerne nur jetzt noch drei kurze Fragen stellen mit der Bitte um drei kurzen Antworten.
00:40:42: Bist du bereit?
00:40:44: Oha!
00:40:45: Ich dachte ich komme heute rum.
00:40:47: Ja
00:40:47: das geht's.
00:40:49: Frage eins lieber Jonas was löst bei dir Glückshormone aus egal ob im Dienst oder außerhalb?
00:40:55: Freizeit.
00:40:57: Ich freue mich jedes Mal aufs Wochenende.
00:40:59: Seitdem ich in der Zeitarbeit bin, ist ein Freitag für mich wirklich der letzte Tag in der Woche.
00:41:03: Es ist ein freitag und das Treffen mit Freunden die Freizeit zu genießen, das sind für mich die Glücksmomente, die ich habe.
00:41:11: Frage zwei Ich erahne die Antwort schon fast.
00:41:14: Ich stelle sie trotzdem Frühschicht oder Nachtschicht?
00:41:17: Frühschicht!
00:41:18: Ja, hab' ich mir gedacht.
00:41:20: Und Frage drei Wofür bist du bei deinen Kolleginnen und Kollegen bekannt?
00:41:25: Erst mal für meine Körpergröße.
00:41:27: Mit zwei Meter eins bin ich nicht der kleinste im Saal und stoß mir das ein oder andere Mal den Kopf an der OP-Lampe.
00:41:34: Aber auch, ich denke für meine offene Art... ...und mein Humor!
00:41:38: Ich kann mit Menschen die ich noch nicht lange kenne offen und ehrlich umgehen.
00:41:42: und ja, ich sag's einfach so, ich bin kleiner Klassenklauen im
00:41:47: Erwachsene-Leben.".
00:41:50: Das mit der offenen Art, das kann dich absolut unterstreichen lieber Jonas?
00:41:55: Es war wirklich eine Freude mit dir zu sprechen.
00:41:58: Super spannend, super interessant und super unterhaltsam!
00:42:02: Ich bin mir sicher dass unsere Hörerinnen und Hörern sehr angenehme Zeit gerade mit dir verbracht haben.
00:42:08: Vielen vielen Dank Jonas und alles Liebe für die Zukunft.
00:42:11: ich habe zu danken.
00:42:12: jetzt viel dank das ich dabei sein durfte
00:42:14: cool Und auch an dich da draußen.
00:42:17: Merci fürs Reinhören!
00:42:18: Du weißt, Wiedersehen macht Freude, Wiederhören auch.
00:42:22: Demnach abonniere die stationäre Aufnahme gerne um zukünftig keine Folge mehr zu verpassen.
00:42:28: Du findest den Podcast von Doktari überall dort wo es Podcasts gibt.
00:42:32: Ich freue mich schon auf's nächste Mal und wünsche dir bis dahin alles Gute und vor allem beste Gesundheit.
00:42:37: Ciao ciao.
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